{"id":896,"date":"2013-05-23T20:54:59","date_gmt":"2013-05-23T18:54:59","guid":{"rendered":"http:\/\/juerges.eimuth.de\/?p=896"},"modified":"2013-05-23T20:54:59","modified_gmt":"2013-05-23T18:54:59","slug":"andacht-zum-30-todestag-von-familie-jurges-karsten-petersen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/juerges.eimuth.de\/?p=896","title":{"rendered":"Andacht zum 30. Todestag von Familie J\u00fcrges, Karsten Petersen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>am 22.05.2013<br \/>\nWaldfriedhof Oberrad<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Wort zum Beginn<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Willkommen! Ihnen allen, die Sie heute hier nach Oberrad auf den Waldfriedhof gekommen sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wir sind zusammen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In der Ruhe des Friedhofs innezuhalten, unter dem Wort Gottes nachzudenken, den Erinnerungen Raum zu geben und damit Kraft f\u00fcr die Gegenwart und Zukunft zu gewinnen, &#8211; das wollen wir heute hier tun.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dass wir uns ganz bewusst hier in Oberrad treffen, hat einen besonderen Anlass: Es ist uns gelungen zu erreichen, dass die Stadt Frankfurt zugestimmt hat, die Grabst\u00e4tte auch \u00fcber den 30-Jahre-Zeitraum hinaus zu erhalten. Daf\u00fcr sagen wir an dieser Stelle einen herzlichen Dank!<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_885\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/juerges.eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130522-kleinf-00.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-885\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-885\" alt=\"130522- kleinf-00\" src=\"http:\/\/juerges.eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130522-kleinf-00.jpg\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-885\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Kurt-Helmuth Eimuth<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wir werden hinterher Lichter entz\u00fcnden f\u00fcr alle, die damals umgekommen sind. Das hat Irmi Rieker, eine Nichte von Irmtraud J\u00fcrges-Kiesling vorbereitet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Musikalisch begleiten wird uns Eugen Eckert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Im Trauergottesdienst in der Katharinenkirche am 30. Mai 1983 haben wir das Lied gesungen: Halte deine Tr\u00e4ume fest, lerne sie zu leben. Damit wollen wir auch heute beginnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Psalm 121 im Wechsel<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Gebet<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gott, himmlischer Vater,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">wir sind hier zusammengekommen, weil uns der Tod von Irmtraud und Martin, von Jan und Katharina, von Erna J\u00fcrges und Gesine Wagner nicht losl\u00e4sst. Ihr Leben wurde ausgel\u00f6scht, mitten im Frieden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Sei du bei uns mit deinem heilenden Geist, damit wir klug werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Amen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<br \/>\nEs ist so. Der Monatsspruch, der ebenso wie die Tageslosungen jedes Jahr neu von der Br\u00fcdergemeine ausgelost wird, ist in diesem Jahr des 30. Todestages genau der Bibelvers, der im Leben von Martin J\u00fcrges eine so gro\u00dfe Rolle gespielt hat:<\/span><br \/>\n\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">\u00d6ffne deinen Mund f\u00fcr den Stummen, f\u00fcr das Recht aller Schwachen!\u201c aus dem Buch der Weisheit, Spr\u00fcche Salomos, 31,8. und der folgende Vers hei\u00dft: \u201eTu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es war urspr\u00fcnglich eine Mahnung der Mutter des K\u00f6nigs Lemuel, das Eingang in die Spr\u00fcchesammlung des K\u00f6nigs Salomo gefunden hat. Es war eine Mahnung an die Regierenden, an die die Verantwortung und Macht hatten. Es wird dem Volk gut gehen, wenn Recht und Gerechtigkeit herrscht. Und die wird es geben, wenn denen, die verstummt sind, die keine Worte finden, Recht geschieht, wenn denen die arm und schwach sind, Gerechtigkeit widerf\u00e4hrt. Dazu soll der K\u00f6nig beitragen, das soll er sich auf die Fahnen schreiben, &#8211; dann wird die Herrschaft gut gehen. Es geht um das gute Zusammenleben, das allen n\u00fctzt.<br \/>\nDieses Wort heute, am 30. Todestag, was kann es uns sagen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es will mir nicht aus dem Kopf , nicht aus dem Herzen gehen, &#8211; die Erinnerung an diesen 22. Mai 1983, den Pfingstsonntag in Frankfurt, als das leben von sechs Menschen ausgel\u00f6scht wurde. Sechs Menschen, denen wir durch Verwandtschaft, durch Freundschaft, durch ihr Arbeiten und Leben verbunden waren, &#8211; und sind. Es ist uns sehr nah \u2013 immer noch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und dennoch \u2013 heute will ich nicht noch einmal die Gedanken auf Irmtraud und Martin, auf Jan und Katharina, auf Erna J\u00fcrges und Gesine Wagner richten. Jede und jeder von uns tr\u00e4gt dies mit sich, lebt damit. Seit 30 Jahren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ich will dar\u00fcber nachdenken, was angesichts dieses Aufschreis gegen R\u00fcstung, angesichts der in vielem ver\u00e4nderten Welt zu sagen ist. Ansage.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Da ist zum einen die Tatsache, dass bis zum heutigen Tage die Untersuchungen zur Ursache des Ungl\u00fccks nicht ver\u00f6ffentlicht worden sind. Das Milit\u00e4r hat sein eigenes Recht geschaffen, nichts dringt nach au\u00dfen. Auch die deutschen Rechtsorgane haben das akzeptiert, offensichtlich. Der Oberstaatsanwalt hat Informationen bekommen, vielleicht nicht alle, aber sie liegen irgendwo verwahrt in verschlossenen Aktenarchiven. Das kanadische Oberkommando ist nicht ansprechbar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es w\u00e4re heute \u2013 nach 30 Jahren \u2013 an der Zeit, diese Untersuchungsergebnisse zug\u00e4nglich zu machen!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Auch wenn schlie\u00dflich \u2013 f\u00fcnf Jahre nach dem Ungl\u00fcck in Frankfurt und nachdem in Ramstein ein Schaufliegen in einer viel gr\u00f6\u00dferen Katastrophe endete \u2013 die Schaufl\u00fcge untersagt worden sind. Nichts ist gut.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und da ist das andere: Als Margot K\u00e4\u00dfmann vor einigen Jahren in ihrer Neujahrspredigt den Satz sagte: \u201eNichts ist gut in Afghanistan\u201c, ging ein Aufschrei durch das Land. Von Wehrkraftzersetzung, Naivit\u00e4t, von ungeheuerlichem Moralismus der Kirche war die Rede. Die Milit\u00e4rs waren auf 180!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dass Deutschland der drittgr\u00f6\u00dfte Waffenexporteur in der Welt ist, dass immer noch in vielen Gegenden der Welt die Waffen herrschen \u2013 und es ist keine Friede !<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gewiss, da ist der Ost-West-Konflikt nicht mehr so vorhanden, gewiss, da sieht es so aus, dass die Balkanv\u00f6lker langsam zu einem friedlichen Miteinander kommen, gewiss, da sind im n\u00f6rdlichen Afrika Revolutionen \u2013 auch mit Waffengewalt \u2013 geschehen, Unrechtsregimes sind gest\u00fcrzt worden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und im Nahen Osten werden Tag f\u00fcr Tag Menschen mit Waffen get\u00f6tet, ohne dass ein friedliches Zusammenleben in Sicht ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nein, es ist nicht einfach, hier Antworten zu finden.<br \/>\nAber dass R\u00fcstung, immer perfektere technische Neuerungen der milit\u00e4rischen Ausstattung nicht zu Recht und Gerechtigkeit f\u00fchren, daf\u00fcr findet man jeden Tag neu Beweise.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dass Milliarden in den Sand gesetzt werden, wie bei dem jetzt bekannt gewordenen Dronen-Skandal, ist vielleicht nur die Spitze des Eisbergs.<br \/>\nGleichzeitig erleben wir ja auch, dass Osterm\u00e4rsche und Friedenswochen nicht die gro\u00dfen Renner sind.<br \/>\nUnd dennoch:<br \/>\nW\u00e4re es nicht an der Zeit, den 22. Mai in Frankfurt in Zukunft zu einem Friedenstag zu machen, einen Tag, an dem die evangelische Kirche, vielleicht gemeinsam auch mit der katholischen Kirche und mit anderen Religionsgemeinschaften regelm\u00e4\u00dfig das Thema \u201eWie kann es Frieden geben in unserer Welt?\u201c mit klugen und informativen Veranstaltungen gestaltet? Potential ist gen\u00fcgend vorhanden: die Akademie, das Friedenspfarramt, und viele andere.<br \/>\nEs geht darum, das christliche Profil durch einen klugen Dialog zu sch\u00e4rfen, &#8211; sich nicht nur mit innerkirchlichen Strukturdebatten in der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen.<\/span><br \/>\n\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ihr Verm\u00e4chtnis ist der Frieden\u201c \u2013 so war die Pressemitteilung von Kirchenpr\u00e4sident Volker Jung zum heutigen 30. Todestag \u00fcberschrieben.<br \/>\nDas sollte sichtbare Konsequenzen haben.<br \/>\nTu deinen Mund auf f\u00fcr den Stummen, f\u00fcr das Recht aller Schwachen!<br \/>\nDas geht nicht schweigend, das braucht Stimme. Und das braucht einen Ort, eine immer wiederkehrende Zeit.<br \/>\nDas wird auch nicht ohne Konflikte abgehen.<br \/>\nAber das war nie ein Argument, das Denken einzustellen.<br \/>\nDas walte Gott!<br \/>\nUnd der Friede, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Amen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_893\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/juerges.eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130522-kleinf-08.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-893\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-893\" alt=\"130522- kleinf-08\" src=\"http:\/\/juerges.eimuth.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/130522-kleinf-08.jpg\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-893\" class=\"wp-caption-text\">Andacht auf dem Oberr\u00e4der Waldfriedhof<br \/>Foto: KH Eimuth<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Lichtgedanken<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">F\u00fcrbitten<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">\u00a0<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gott,<br \/>\ndu mutest uns deinen Glauben zu.<br \/>\nWir merken, dass du uns damit Freiheit schenkst,<br \/>\nFreiheit zum Leben, zum Lieben<br \/>\nUnd zur Deutlichkeit.<br \/>\nDu wirst unseren Fu\u00df nicht gleiten lassen und uns beh\u00fcten.<br \/>\nStr\u00f6me lebendigen Wassers werden flie\u00dfen,<br \/>\nmitrei\u00dfend, Leben schaffend, erquickend<br \/>\nin dieser uns anvertrauten Welt.<br \/>\nDaf\u00fcr danken wir dir und bringen unsere Bitten vor dich.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">\u00a0<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gott,<br \/>\nwir sind noch nicht fertig mit unserer Erinnerung, mit der Trauer, mit dem Verlust von Leben in unserer Mitte.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wir denken an Martin und Irmtraud, Jan und Katharina, an die Mutter Erna J\u00fcrges und Gesine Wagner.<br \/>\nSchenk du den Angeh\u00f6rigen und uns allen zusammen den Geist, der Leben verhei\u00dft.<br \/>\nLass uns nichts verdr\u00e4ngen in die undurchschaubare Ecke der Vergangenheit.<br \/>\nIm Kreuz deines Sohnes Jesus Christus wandelt sich der Tod in Leben.<br \/>\nGott, zeig uns deinen Weg dahin.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gott,<br \/>\nwir denken an R\u00fcstung, Waffen und Krieg, an den heimlichen und unheimlichen Tod.<br \/>\nFrauen und M\u00e4nner, Kinder und Alte sterben an der Gewalt, &#8211; mitten im Frieden.<br \/>\nHilf unserer Ohnmacht auf.<br \/>\nLass uns gemeinsam deinen Weg des Friedens und der Gerechtigkeit suchen.<br \/>\nLass uns nicht verstummen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">\u00a0<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gott,<br \/>\nwir denken an das Leben im Gutleutviertel, an das Leben in unserer Stadt.<br \/>\nMenschen fallen aus dem so selbstverst\u00e4ndlich gewordenen Raster des Wohlstands heraus, suchen nach einem Hoffnungsstreifen am Horizont ihres Lebens.<br \/>\nGib den politisch Verantwortlichen in der Stadt und im Land die Einsicht und Kraft, ihre Entscheidungen an dem Wohlergehen der Schwachen und Benachteiligten auszurichten.<br \/>\nGib uns die Gelassenheit, uns nicht grummelnd und leise schimpfend in die Selbstrechtfertigung zur\u00fcckzuziehen, sondern mit der Gewissheit \u00fcber deine Verhei\u00dfung immer neue Phantasie f\u00fcr das Leben in der Stadt zu entfalten.<br \/>\nIch bin der Herr, dein Gott,<br \/>\n&#8211; so hast du uns mit dem 1. Gebot die Richtschnur f\u00fcr unser Leben gegeben. Wir glauben daran<br \/>\nund freuen uns auf das Leben mit dir, das vor uns liegt, jeden Tag neu.<br \/>\nAlle unsere unausgesprochenen Bitten sprechen wir aus mit dem Gebet, das du uns und aller Welt gelehrt hast.<\/span><\/p>\n<p>Vater Unser<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Segen<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>am 22.05.2013 Waldfriedhof Oberrad Wort zum Beginn Willkommen! Ihnen allen, die Sie heute hier nach Oberrad auf den Waldfriedhof gekommen sind. Wir sind zusammen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 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